Ausstellung: `Mit Engeln möcht´ ich leben
In die Ausstellung Mit Engeln möcht´ ich leben´ mit Computergrafiken von Gerhard Lücke, die 2010 vom Kunstverein Wunstorf in der Abtei präsentiert wurden, führte Hans- Jürgen Giesecke, ehemaliger Dozent der Hochschule Hannover, ein. Zunächst thematisiert er die Funktion der Engel, die er in den monotheistischen Religionen als ein rein geistiges Wesen darstellt, das Gott zur Seite steht. Die Engel ver- mitteln Gottes sittlichen Willen an die Menschen und führen seine Anordnungen aus. Sie sind Boten, Wächter, Schutzengel, kämpfen als Heerscharen für die Ehre Gottes und voll- strecken seine Gerichte.
Die hier dargestellten Engel symbolisieren die Begleiter der Menschen auf dem Weg ins Jenseits. Laut Giesecke hat sich das Erscheinungsbild des Engels im Laufe der kirchlichen Kunst gewandelt. Im 3. und 4.Jahrhundert (in der frühchristlichen Kunst) waren die göttlichen Boten flügellose Jünglinge mit Sandalen und einer weißen Tunika mit zwei farbigen Zier- streifen, um jegliche Verwechslung mit antiken Vorbildern zu vermeiden. 200 Jahre später wandelt sich das Bild gewaltig. Jetzt sind die Engel geflügelt und mit einem Heiligenschein versehen. Die antiken Viktorien (Siegesgöttinnen) und die geflügelte Nike werden die gezielt gesuchten Vorbilder. Das 13.Jahrhundert entwickelt eine Fülle neuer Engelstypen. Zur Zeit der Gotik werden Haltung und Kleidung dem höfisch-ritterlichen Stil angepasst. In seiner Schönheit und Würde glich er dem Idealbild des Ritters. In der Frührenaissance entwickelt sich zum Beispiel der Typus des priesterlichen Engels und des Mädchenengels. Im 15.Jahrhundert entsteht die Bildform des Kinderengels. Hier verweist H.-J. Giesecke auf das Beispiel der Kölner Schule (Stefan Lochner). In Italien entwickeln sich die Putten und die geflügelten Engelsköpfe. Im Barock (17.Jahrhundert) verbreitet sich mehr und mehr die Darstellung des Schutzengels. Der Titel der AusstellungMit Engeln möcht´ ich leben´ entstammt der Sockelinschrift des Grabes des verstorbenen hannoverschen Malers Eggers auf dem Engesohder Friedhof Hannover. Die Arbeitsweise Gerhard Lückes Engel wird von Hans-Jürgen Giesecke folgendermaßen beschrieben: Grundlage ist zunächst ein selbsterstelltes Foto eines Friedhofsengels in Augenhöhe.
Das kontrastreiche, zur richtigen Tageszeit erstellte Foto wird digitalisiert und am PC weiterbearbeitet. Mit den Mitteln der digitalen Bildbearbeitung (u.a. Verringerung der Farbtiefe und dadurch Entstehen von Flächigkeit, Solarisation, Verfremdung durch andere Farbigkeit, Veränderung bzw. Freistellen des Hintergrundes, monochrome Farbigkeit, neue imaginäre Lichtquellen etc.) wird Aussage, Stimmung bzw. Impression des Ausgangsbildes verändert und beeinflusst. Als Zielvorstellung des Bildschaffenden sieht Giesecke in den Engelbildern Lückes hochästhetische Gestalten und Gestaltungen, bei denen sich die neue Farbigkeit zu verselbständigen beginnt und somit die ursprüngliche Bedrohlichkeit der Todesboten und Todesbegleiter lindert.
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